Mittwoch, 15. Mai 2019

Wladyslawowo nach Danzig

13.05.2019

Nach dem Frühstück und einer kurzen Diskussion haben wir uns der Abraxas angeschlossen und wollen das Ziel Hel überspringen und Danzig anlaufen. Die Wettervorhersage verheißt nix Gutes und der Wind soll 6 und stärker werden. Die Sperrgebiete sind frei von Schießübungen. Die Überfahrt kommt nach einem kurzen Motoreinsatz gut ins Rollen. Bei achterlichen bis raumen Wind sind wir nur mit dem Vorsegel fast immer 6 Knoten schnell. Die Vorbeifahrt an der Halbinsel geht schnell voran und wird nur durch 2 Patrouillen von jeweils 4 Marine Schlauchbooten unterbrochen. Beim ersten Anblick der doch recht schnellen Boote mit jeweils 4 bis 6 vermummten Soldaten an Bord denken wir sofort an das Sperrgebiet. Dann halten die Boote auch noch direkt auf unserer Höhe und schauen uns mit Ferngläsern und oder Fotoapparaten an. Erst als sie freundlich winken und weiterfahren, nehmen sie auch unser kurzzeitig aufflammendes schlechtes Gewissen mit. Doch alles richtig gemacht.
Ab der Landspitze bei Hel kann man über die Danziger Bucht auch schon Danzig sehen. Da gilt es noch zwei Verkehrstrennungsgebiete zu umfahren und auf den Verkehr der wirklich großen Schiffe zu achten. Der Himmel bietet uns ein dramatisches Spektakel an Wolkenbildern mit Sonnenstrahlen.
Wir können bis an die Einfahrt zur Martwa Wista segeln und fahren die kommenden Seemeilen unter Maschine. Wir kommen an vielen Werften, Verladekränen und Terminals vorbei und es gibt viel Interessantes zu sehen. Beim Gegenverkehr eines großen Tankers mit vier Schleppern entschließe ich mich nicht auf Konfrontation zu gehen sondern mich rückwärts fahrend an die Seite in Deckung zu bringen. Ein Schlepperfahrer grüßt uns winkend und ich deute das als Anerkennung meines umsichtigen Verhaltens. Auch die Weiterfahrt ist spannend, ist der Weg doch etwas verwinkelt und auf Gegenverkehr will ja reagiert werden.

Die neue Fußgängerbrücke direkt vor der Marina Gdansk war offen und wir konnten direkt in die Marina einlaufen. Dort hat uns zu unserer Überraschung eine jungen Frau einen Liegeplatz zugewiesen. Hafenmeisterinnen habe ich ich bislang noch nicht erlebt und diese ist eine sehr nette. Ein perfektes Englisch und Antworten die keine Nachfragen benötigen, lassen uns schnell das formale abklären. Hier liegen wir nun wieder mit Abraxas an einem Steg und im Verlauf stellen wir auch fest, dass mehrere Boote sich auf einer Ostseerundreise befinden und als näxtes Ziel Klaipeda anlaufen wollen.
Hier endet nun der Törn mit Bernd. Ich habe mich sehr über das nähere Kennenlernen von Bernd gefreut und wir haben viele schöne und auch persönliche Momente erlebt. Nach einem schönen Spaziergang durch die Altstadt, einem höllischen Genuss von Pirogen Diabolo (mir stand der Schweiß auf der Stirn, und das nicht nur während des Essens) haben wir am Abend bei einem Whiskey unseren Törn noch mal Revue passieren lassen.

14.05.2019

Bernd ist mit seinem begehbaren Wandschrank von Bord gegangen um sich mit Beate zu treffen. Ich bin nun das erste mal alleine auf dem Törn und das fühlt sich erstmal etwas komisch an. Aber es gibt viel zu tun und ich mache einen Plan. Wäsche waschen, aufräumen, einkaufen und mein Keilriemen macht mir Sorge. Ich will mir auch noch einen Wasserkocher kaufen, denn Strom ist leichter zu bekommen als Gas. Dank an Abraxas für den Tipp! Also habe ich mit einen Media Markt rausgesucht und für etwas unter 10 Euro einen kleinen kompakten Wasserkocher erworben.
Am frühen Abend haben mich Bernd und Beate besucht und wir sich dann noch mal essen gegangen.

15.05.2019

Heute will ich einen Fußmarsch in die Vororte von Danzig unternehmen, um mir einen neues Keilriemen zu kaufen. Ein Ausblick auf weitere Ziele meines Törns habe ich dann in der Stadt gefunden.
Also der Spaziergang hat sich gelohnt, ich habe Gegenden gesehen in denen sich Touristen sicherlich recht selten sehen lassen. Trotz der freundlichen Hilfe einer Angestellten beim Tecnik Marine Servis konnte ich keinen neuen Keilriemen mein eigen nennen. Diesen gibt es in Polen nicht und der müsse erst in Belgien bestellt werden. Der Spaziergang war trotzdem schön und ich werde nun im Internet einen bestellen und mir mitbringen lassen.
 Schrankenwärterinnenhäuschen
 Tante Emma Laden
Kunst in einer Unterführung

16.05.2019

Nach einem guten Tipp des Nachbarbootes ging ich erneut zum MediaMarkt um eine Kochplatte zu erwerben. Versteckt in einem Regal ohne Aushang hieß es, genauso war es dann auch. Zwei verschiedene zum Preis von 19,9 und 20,0€. Ich habe mich dann für die althergebrachte entschieden, die moderne hatte eine Glaskochplatte, und die gehen auf deinem Boot gerne mal kaputt. Der unnütze Gasverbrauch wird also nun weiter reduziert.
Ein Besuch in der Markthalle füllte meine Vorratshaltung mit einigen polnischen Würsten.
Dann bekam ich auch schon die ersehnte SMS von Bernd.
Er hatte Karten für die Danziger Philharmonie zum Stückpreis von 50 PLN erstanden. Achte Reihe Mitte, besser geht es nicht.


Bernd und Beate holten mich um 18:00 Uhr ab und wir flanierten noch ein wenig im Foyer bevor die Veranstaltung losging. Die Plätze waren ein Traum, etwas neben dem Dirigenten und das zum Schluss vollständige Orchester von 70 Musikern sehr gut im Blick. So konnte man zu ziemlich jedes Instrument auch einem Musiker zuordnen, was mir als Schwerhörigen nicht leicht fällt. Dazu kommt das ganze Getue in einem Orchester: Dirigent kommt als Letzter, gibt nur der ersten Geige die Hand, bestimmt wer sich nach einen Stücker erheben darf um einen Applaus zu bekommen um dann nach jeden Stück zu verschwinden. Manchmal brachte er auch jemanden mit, besondere Musiker die bspw. ein Solo spielen durften. Der Dirigent sollte auf jeden Fall nach zurückgelegten Metern bezahlt werden. Aber er hat seine Sache gut gemacht, da er zum Teil Standing Ovations bekam (zwei sind aus dem halbleeren Saal aufgestanden). Uns hat es auf jeden Fall sehr gut gefallen und das war sicherlich mehr Wert als die 11,3 € Eintritt. Anschließend gingen wir zum Kontrast in einen angesagten Jazz Club: Bruderschaft. Sehr coole Musik, anfangs kein Jazz aber trotzdem gut. Das Bier schmeckte, hatte der trockene Konzertsaal doch eine trockne Kehle hinterlassen. Am Nachbartisch turtelte ein jungen Pärchen und plötzlich lag da eine Trompete neben dem jungen Mann. Die nahm er sich, ging auf die Bühne und spielte eine begnadeten Jazz. Leider war er nach kurzer Zeit müde und wollte sich auch von uns nicht überreden lassen weiterzuspielen.
Leider sieht man nicht soviel, ist aber ein sehr kleiner aber feiner Laden. Hinter der Treppe war noch ein kleines Gewölbe wo die Band tobte und ein erlauchtes Publikum sich niederließ. War schon zu voll, wir kamen nicht mehr rein und mussten an der Theke zuhören.
Wir haben dann einfach ohne Trompete Bier getrunken, war nicht so schön - ging aber auch. Dann nahte der Abschied, denn das war unser letzter gemeinsamer Abend. Schade, war eine schöne Zeit.
Das mit den Selfies klappt nicht, irgendwie gefallen mit die Bilder  nicht.

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